Margarethe von Witzleben wurde am 22. Februar 1853 in der Familie eines adligen Rittergutbesitzers auf dem sächsischem Schloss Kitzscher geboren. Im 13. Lebensjahr bemerkte man bei ihr eine schleichende Abnahme des Hörvermögens. Margarethe von Witzleben suchte Trost in stärkerer Hinwendung zum christlichen Glauben. Zunehmend fühlte sie sich verantwortlich für andere bedürftige Menschen. In ihrer Schrift "Hephata!* Ein Wort an Schwerhörige und Taube von einer Leidensgenossin" formulierte sie eine Art Programm. Am 26. Mai 1901 organisierte sie in ihrer Privatwohnung in der Berliner Tieckstraße 17 einen Gottesdienst für Schwerhörige und Ertaubte, der auf die besonderen Kommunikationsbedürfnisse einging. Dieser Pfingst-Gottesdienst wird als Geburtsstunde der Schwerhörigen- und Ertaubten-Selbsthilfe betrachtet. Im März 1909 erhielt die Gruppe ihren Status als eingetragener Verein. Über eine Zeitung, persönliche Kontakte und die Durchführung von "Sommerfrischen" für Schwerhörige und Ertaubte inspirierte sie die Entstehung von Selbsthilfe-Vereinen Betroffener in vielen Städten Deutschlands. Ihr Einfluss reichte bis in die Schweiz. Im Jahre 1914 schlossen sich 6 Vereine und 20 Gemeinden in Deutschland zum Hephata*-Bund zusammen. Daneben waren auch mehr weltlich geprägte Selbsthilfegruppen von Schwerhörigen und Ertaubten entstanden. 1917 starb Margarethe von Witzleben. Das Witzleben-Haus in der Sophie-Charlotten-Straße 23a, das mit von ihr vererbten Geldmitteln erworben wurde und in dem der Schwerhörigen-Verein Berline.V. heute seinen Sitz hat, erinnert an diese großartige Frau. Der Senat von Berlin hat ihr Grab auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf in den Rang einer Ehrengrabstätte erhoben. *Hephata ("Tue dich auf"). Aus der Bibel, Markus-Evangelium, Kapitel 7, Vers 3. |
